Kleine Welten I

Ging mir früher schon so, dass ich beim Lesen der Besetzungslisten auf LPs und CDs immer wieder über die selben Namen gestolpert bin. Steve Gadd war auf bestimmt 90% meiner Scheiben bei mindestens einem Stück an den Drums, und sobald irgendwo geile Bläsersätze zu hören waren, dann standen Jerry Hey und Bill Reichenbach auf der Liste. Gary Grant war auch mit dabei, zum Bedauern meiner Frau aber der mit G und nicht der mit C.

Etwas Ähnliches passiert mir gerade wieder, wenn ich mich durch YouTube Videos klicke und dann die gespeicherten Highlights vergleiche. Der Dreh- und Angelpunkt der Musiker, die mir ständig über den Weg laufen, scheint die Band Snarky Puppy zu ein, die stellenweise mit gigantischer Besetzung Musik macht.

Ich fang mal an mit Shaun Martin, von dem’s ein paar schöne Studio-Live-Videos gibt wie das folgende mit fast schon GRP Feeling:

Natürlich sind Live-Studio-Sessions nicht ausschließlich live, aber schon irgendwie komisch dass man nie sieht wer hier Synthesizer spielt …

Robert ‘Sput’ Searight sitzt oben wie auch im nächsten Video an den Drums und dient als Überleitung zu Louis Cato, dem Universalmusiker, der so ziemlich alle Instrumente beherrscht, und den ich schomma live gesehen hab am Schlagzeug der Marcus Miller Band. Cato ist auch Mitglied der Band Stay Human, die Houseband von Stephen Colberts Late Show …

Keyboarder Brett Williams war sellamohls auch dabei in der Marcus Miller Band.
Bleiben wir kurz bei Louis Cato. Hier ein Beispiel seines Universaltalents:

Ich find ihn fast schon ein bissl bona-esk.
Guter Text übrigens.
Louis Cato hab ich zwar noch nie mit Snarky Puppy zusammen gesehen, aber dafür mit deren Mastermind, dem Bassisten Michael League. Was für ein geiles Schlagzeug, was für eine geile Nummer!

Michael League übigens hier nicht am Bass, sondern an der Baritonklampfe.
Zu guter Letzt hier noch ein Cover der alten George Benson Nummer “Gimme The Night”, zusammen mit den Huntertones:

Ach komm, einer geht noch: Huntertones ohne L.C.

Und noch eins. Huntertones auf den Spuren von Scary Pockets.
Und, haha, sie versuchen sich in der Visualisierung des MP3-Formats in Bezug auf den Raum …

Musste zweimal hinsehen … mit Bart hatte ich ihn noch nie gesehen: Brett Williams an den Keys.

Just Friends (in the mirror)

Wer (wie ich lange) bei “The Main Squeeze” an irgendwas Gequetschtes oder Gepresstes denkt, liegt ordentlich falsch. Nicht nur weil die Musik eher locker und ohne Quetschungen und Prellungen daherkommt, nein, auch weil “Main Squeeze” auch schlicht mit “Freund” oder “Freundin” übersetzt werden kann.

Bei Spotify gibt’s einige Alben von den Jungs, die mich allerdings nicht wirklich überzeugen, bzw, bei denen der Funke nicht zu mir überspringen will.

Ganz anders geht’s mir da bei einigen Coverversionen, die man bei YouTube finden kann.
Z.B. “Man In The Mirror”, der alten Michael Jackson Nummer, die mir schon im Original irgendwie gefallen hat, die ich mir halt einfach nie anhöre, weil angestaubt, zu oft im Radio gehört und mir die Stimme von MJ nicht zusagt, weil oft ganz schön gepresst. Ha!
Wenn The Main Squeeze die Nummer spielt, geht für mich das Licht an. Groovt wie Hölle, und jeder der Musiker setzt spielfreudemäßig noch einen drauf, so dass die Nummer für mich mehr Leben hat als das Original.
Okay, die Parts mit Kopfstimme gehen an Jacko.

Phänomenal finde ich auch die Version von “Rule The World”. Auch hier wird dem alten Song neues Leben eingehaucht, bzw. intravenös reingepumpt. So wird auf einmal so ein dünnes Pop-Süppchen wie das von Tears For Fears zu einem kräftigen Eintopf. Witzig finde ich den Synthie-Bass als Reminiszenz an den Synthiepop. Fulminantes Finale!

Deutlich älter (und etwas unreifer) ist das Cover von “Papa Was A Rolling Stone”, das als “Kellervideo” aber auch eine echt gute Energie transportiert, wie ich finde.

Ein kleiner Schlenker muss noch sein: Die “Man In The Mirror” Coverversion vom Myron McKinley Trio.
Die hätte ich bestimmt nicht vorgeschlagen bekommen, wenn sich nicht Stanley Clarke in die Credits eingeschlichen hätte …
Ich kann nicht wirklich was raushören, das ich mit Stanley Clarke verbinden würde, aber was soll’s, ist ja ne schöne Nummer. Vielleicht ein bisschen zu dick aufgetragen mit den Streichern und so.
Ich würde die Version eigentlich gar nicht erwähnen, wenn da aus dem wenigen Material, das es von Myron McKonley bei Spotify gibt, nicht eine Nummer herausragen würde, die unbedingt hörenswert ist: E-12

Nachdem ich Obiges geschrieben hatte, hab ich dann doch mal bei YouTube mach dem Myron McKinley Trio gesucht, und siehe da, beide Nummern von Oben sind auch dort zu finden. Auch hier gilt für E-12: einfach UNGLAUBLICH. Unglaublich, dass es von denen nicht mehr gibt, bzw. dass aus denen nicht mehr geworden ist bisher. Vor allem die Man In The Mirror Version scheint ja mit einigem Buhei produziert worden zu sein: da ist Tatsächlich Stanley Clarke dabei, wenn auch als Dirigent der überzuckerten Streicher, und EW&F-Heinz Verdine White darf auch mit dabei sein (damit man seinen Namen für die Suchfunktion nutzen kann?) plus sehr aufwendige Videoproduktion …
Eigentlich hätte E-12 einen eigenen Beitrag verdient!

Ein Hoch auf den Wanderbass! Klingt saugudd, und hintenraus spielt er echt geiles Zeugs … nichtsdestotrotz gefällt mir der Bass der Main Squeeze Version ein bisschen besser …

Love Is The Message

Total abgedrehte Nummer dies. Keiner der Musiker war mir vorher bekannt, und verorten konnte ich nur Rocco Palladino, muss ja wohl der Sohnemann von Pino Palladino sein – und er isses. Genauso wie Papa ein Bassist, und ich find’s ziemlich ungewöhnlich was er da spielt.
Apropos ungewöhnlich: eigentlich sind ja alle vier irgendwie speziell. Der hyperaktive Drummer, der reduzierte Keyboarder und der Gitarrist, der selbst wenn er das wildeste Zeug spielt noch gelangweilt scheint.

Total hypnotischer Sound.
Ob Drogen im Spiel sind? Oder ob die Jungs einfach nur angetörnt sind von der Tatsache, dass sie sich in den Abbey Road Studios befinden?
Keine Ahnung, egal, Love Is The Message. Und wie! Ich liebe es!!!

Falls jemand vergessen haben sollte (oder es noch nie gewusst hat), wer denn jetzt Pino Palladino ist: Stichwort Paul Young. Klingelt’s?

Music and the Brain

… heißt ein Great Course” den ich (zugegebenermaßen nur teilweise) vor ein paar Jahren gehört habe.
Bei den Great Courses gibt’s dann auch zwei Kurse von Indre Viskontas, einer Neurowissenschaftlerin, die gleichzeitig Opernsängerin ist. Spannende Sache das, vor allem wenn sie beides miteinander verbindet, wie in dem TED-Talk, den ich wärmstens empfehle, auch wenn man evtl. nicht alles verstehen kann, weil englisch.

Ebenso bei TED findet man einen Talk von Lisa Genova, die man vielleicht kennt von dem Buch oder auch dem Film “Still Alice”, in dem es um den den Kampf einer Harvard Professorin mit ihrer Alzheimerkrankheit geht. Auch Genova ist Neurowissenschaftlerin, also kann man ruhig ernst nehmen, was sie sagt.
“Use it or lose it” gilt auch für unser kognitiven Fähigkeiten …
Hat jetzt eigentlich nix mit Musik zu tun. Aber mit Neuroplastizität.
Übrigens könnt ihr bei dem Talk von Lisa Genova deutsche Untertitel einblenden. Bei Indre Viskontas geht das nur in englisch.

Von Deutschlands Edel-Langweiler Manfred Spitzer gibt’s zu dem Thema ein Hörbuch mit stellenweise vorhandenem Informationsgehalt. Relativ kurz (74 Min) und schmerzlos.

Bei seinem Titel rollt’s mir die Fußnägel auf, deshalb hier nur der Untertitel “Wie unser Gehirn Musik verarbeitet”.
Es ist komplett auf Spotify zu finden:

Kopfsalat

… is the name of this band.
Der Killertitel von Lettuce, der in keiner Party-Playlist fehlen darf, ist ohne Zweifel “Do It Like You Do”, und zwar in der Fassung von der CD “Fly”.

Lettuce hat viele interessante Sachen gemacht, darunter auch das ambitionierte Miles Davis Tribute Album “Witches Brew” (von dem der untere Titel “Jean Pierre” stammt), aber so richtig springt der Funke bei den meisten Sachen nicht auf mich über.
Jean Pierre find ich ziemlich ansprechend, weil sie’s eher in dem behäbigen Tempo spielen wie seinerzeit Miles Davis, und nicht so aufgedreht wie Marcus Miller, der den Titel ja für Miles Davis geschrieben hatte. Aber da gehen die Geschmäcker ja eh auseinander.

Die Sachen, die man bei YouTube findet, haben teils eine bestechende Dynamik. Live halt. Es gibt mehrere ganze Konzerte bei YouTube, die ich selber aber auch noch nicht gesehen hab – guggstdu

Hier mal zwei Videos, die jede Party beleben.

Und der Vollständigkeit halber (und für die, die Spotify nicht nutzen) hier noch die Live-Version von “Do It Like You Do”:

Unheimliche Taschen (plus)

Die Rede ist natürlich von den Scary Pockets.
Im Frühjahr 2018 wurde mir auf Spotify der Titel “Larry Pockets” vorgeschlagen. Was soll ich sagen, habe sofort 100 Punkte auf der 100 Punkte Skala vergeben. Larry Goldings als Keyboarder/Orgler hat mir gefallen seit ich ihn auf der CD Mo’ Roots von Maceo Parker gehört habe. Muss Anfang der 90er gewesen sein.
Und hier also mit einer Band namens Scary Pockets zusammen, auch namens-mäßig.

Supercool und funky.
Auf YouTube gibt’s mittlerweile 130 Videos, viele davon find ich schlicht und einfach saugudd. Jeden Montag kommt ein neues dazu. Witzige und respektlose Versionen von mehr oder weniger bekannten Hits.

Sagenhaft!

Keyboarder und Gitarrist bleiben immer die gleichen, alles andere wechselt ständig. Und immer gute Leute dabei.
Eine meiner Lieblingssängerinnen bei Scary Pockets ist obige Rett Madison.
Eine weitere kommt hier: Rozzi. Phänomenale Stimme. Phänomenales Timbre. Phänomenales Timing.

Leider find ich die neueren Sachen von Scary Pockets nicht so ansprechend.
Deshalb hier noch ein Titel von Rozzi herself (tja, was man halt so findet, wenn man in eine unheimliche Tasche rein greift)

Man beachte die beiden Typen, wie sie ab 3:20 tanzen …

Volldampf, relaxed

Als ich über das Album “Live at the Baked Potato” von Isamu McGregor gestolpert bin, dachte ich mir ziemlich genau “Heureka!” bzw. die saarländische Version davon: “Oh leck!”

Selten hab ich so intensive Musik gehört, die dazu noch so wenig aufgeregt oder wichtigtuerisch ist. Die Jungs spielen wie die Weltmeister, und mir scheint, als würden sie das, was ich früher unter dem Label “Jazz-Rock” so gern gehört hab, auf ein neues Level heben, bzw. ins 21. Jahrhundert transformieren.

Dann hab ich irgendwann mal gesehen, dass Isamu McGregor nur knappe 200 Hörer im Monat hat. Das gibt’s doch ned!
Und das “Orkestra Eustoria”, bei dem Isamu McGregor an den Keys mitspielt, kommt nur auf 29 monatlich Hörer.
Die spinnen, die Hörer!
Oder sie haben noch nie nix von denen gehört. Wären nicht die ersten klasse Musiker, die einem größeren Publikum unbekannt bleiben.

Funk Guru kommt zur Rettung und postet zumindest hier die McGregor Live-Scheibe. Jede/r mit Interesse an Musik sollte zumindest mal reingehört haben.

Die YouTube Sachen reichen nicht an die Live-Scheibe ran, aber als Ergänzung ist der alte Herbie Hancock Titel “Actual Proof” doch auch sehenswert: