Aufs Ohr

Es ist eigentlich fast egal, welche Kopfhörer man verwendet, denn alles ist besser, wenn man Musik mit dem Phone hört, als die klitzekleinen eingebauten Lautsprecherchen.

Ich krieg schon die Krise, wenn meine Frau im selben Raum ein kurzes doofes WhatsApp Video guckt und der Ton über das Lautsprecherle kommt. Da macht mein Gehirn den Trump und fährt die Mauer hoch. Superdoofer Vergleich, ich könnte auch sagen, dass die Töne aus Handylautsprechern in der Lage sind, Gehirnzellen zu zerstören. Ihr braucht euch nur mal umzuschauen.

Also Kopfhörer.
Die mitgelieferten sind meistens nicht der Brüller (oder doch 😉 ), doch wie gesagt, eine Milliarde mal besser als die eingebauten Lautsprecher.

Heutzutage ist ein wesentlicher Bestandteil der Musik der “Sound”. (Hört sich trivial an, und man meint ja, dass das schon immer der Fall war, aber hey, kein Vergleich zu heutzutage.) Und den Sound kann man mit guten Lautsprechern, oder einfacher und weniger ressourcenfressend, mit guten Kopfhörern erleben.
“Gut” ist subjektiv, und nach oben sind ja nie Grenzen gesetzt, deshalb werde ich meine Empfehlungen auf Kopfhörer beschränken, die zwar einen Quantensprung zum normalen Kopfhörer darstellen, aber eben auch unverschämt günstig sind.
So kann man ohne große Investition mal in das eintauchen, was der Musik eine weitere Dimension hinzufügt: den Sound.

Als erstes möchte ich der KZ ATE empfehlen (scheiße Name …). Ich hatte mir mal welche aus China bestellt für 7€(!!!), aber man findet sie jetzt auch bei Amazon für knappe 15€ und zügigem Versand.
Die Dinger klingen SAUGUDD und haben eine gut wahrnehmbare “Bühne”. Ein Nachteil ist die Stelle, an der die beiden zu den Ohren führenden Kabel ineinander übergehen (das Y-Stück). Das scheint eine Sollbruchstelle zu sein. Aber wenn man’s weiß, kann man sich vorsorglich Silikon vom Baumarkt drumherum machen, dann hält das.

Die nächste Empfehlung ist ebenfalls von KZ und heißt ZST. Ebenso bei Amazon erhältlich, für knappe 19€.
Die klingen noch ein bisschen besser, sind poppiger und haben die gleiche Y-Schwachstelle.

Bei beiden (und allen anderen In-Ear Kopfhören) gilt, dass sie erst gut klingen, wenn man sie richtig ins Ohr einpasst.
Als Richtschnur gilt: die Silikonaufsätze, die ins Ohr kommen, müssen schon ein Stück weit ins Ohr eingeführt werden. Dann muss man sie mit zwei Fingern ein bisschen zurückziehen. Wenn sie dabei einen kleinen Unterdruck erzeugen, ist es genau richtig. Wenn sie zu lose sitzen, klingen sie dünn und belanglos. Bei allen werden ja Silikonaufsätze in (drei) unterschiedlichen Größen mitgeliefert. Da lohnt sich das Experimentieren. Wenn kein Aufsatz richtig passt, kann man welche im Netz nachkaufen mit anderen Größen.

Vielleicht noch erwähnenswert: bei mir bewegt sich immer wieder einer der Stöpsel ein bissl ausm Ohr. Merkt man erst, wenn einem der dünner werdende Sound auffällt. Ich drück den betreffenden Stöpsel dann wieder ins Ohr, was aber nach ca eineinhalb Stunden zu unangenehmen Druckstellen im Ohr führt.

Wer kein Bohei mit In-Ears haben möchte, greift zum Over-Ear Kopfhörer. Es gibt auch noch On-Ears, die aber direkt auf den Ohren aufliegen und nach kurzer Zeit eher unbequem werden.
Empfehlen kann ich den Superlux HD-668 B für knappe 30€. Mehr Over Ear für’s Geld kriegt man wohl nicht. Gute Transparenz, gute Bühne, warmer, nicht zu basslastiger Sound mit genügend Wumms.

Alle drei finde ich richtig klasse zum Einstieg. Nach oben gibt’s natürlich keine Grenzen und das Angebot ist ziemlich unüberschaubar. Wer mehr als 100€ ausgeben will sollte eh vorher eine Hörprobe machen.

Und nein, ich bekomme weder von Amazon noch von Thomann eine Provision.

Zum Thema Bluetooth Kopfhörer: Ich persönlich hab damit wenig Erfahrung. Ich scheu mich, da zum Musikhören Geld in die Hand zu nehmen. Ich hab einen günstigen Bluetooth On Ear, den ich manchmal nutze, wenn ich keine Kabel haben möchte, zB beim Kochen/Putzen. Da hört man eher nebenher, und dafür sind sie ok. Auch bei Bluetooth wird die Audioqualität von Bluetooth Version zu Bluetooth Version besser werden.

Zum Hörbuchhören hab ich zwar TWS (Treu Wireless Stereo) Ohrstöpsel, wobei ich da aber nur einen im Ohr hab. Irgendwie will ich nicht, dass das Bluetooth Signal von einem Stöpsel zum anderen durch mein Gehirn geht.

Nachtrag:
Habe gerade gesehen, dass die von mir verlinkten KZ ATE mit Schaumstoffaufsätzen geliefert werden. Wer das nicht will findet bestimmt noch welche mit Silikonaufsätzen.

Und die KZ ZST hab ich hier noch für 16€ gefunden, also eigentlich die bessere Wahl gegenüber des ATE. Wen die Farbe nicht stört …
… und wen die Farbe stört: hier in schwarz

Und bei Thomann gibt’s auch noch den Superlux HD-681 Evo BK, ebenfalls für knapp 30€, und zu dem gibt’s dann auch hier noch nen Test.

Hörbücher – aber richtig!

Ich liebe Hörbücher!

Und ja, ich weiß, bei vielen Menschen gibt es eine natürliche Hürde, die ihnen den Genuss von Hörbüchern anscheinend unmöglich macht. Viele sehen es als Nachteil, wenn man abends beim Versuch, ein Hörbuch zu hören, schnell mal einschläft. Ich sehe das Einschlafen durchaus als positive Begleiterscheinung …
… wenn man weiß, wie man die negativen Folgen wie “das läuft dann die ganze Nacht” oder “ich weiß dann nie, an welcher Stelle im Buch ich war” technisch einigermaßen umschiffen kann.

Spotify ist klasse, wenn man Hörbücher kennenlernen will und dabei keine Mehrausgaben in Kauf nehmen möchte (als Abonnent). Ansonsten ist die Spotify-App ziemlich unpraktisch für Hörbücher.

Audible, Bookbeat und Scribd stellen alle ihre eigene App bereit, und die jeweiligen Inhalte abzuspielen. Das klappt ganz gut, und bei allen kann man Inhalte herunterladen, um sie offline zu hören (Bookbeat und Scribd nur für mobile Geräte).

Audible setzt (bislang) auf das klassische Besitz-Abo: für knappe 10€ Monatsgebühr kann man sich aus dem gesamten Katalog pro Monat ein Hörbuch aussuchen, das auch nach Beendigung des Abos im eigenen Besitz bleibt.

Bookbeat und Scribd sind Zugangsplattformen, die einem für einen ähnlichen Betrag im Monat Zugang zu allen verfügbaren Hörbüchern gewähren. Nach Beendigung des Abos kann man nix mehr Hören.

Ich bin mittlerweile bei Scribd gelandet, weil das für meine Ansprüche die beste Auswahl hat. Nur gibt’s dort kaum was auf Deutsch.

Wer, wie ich, ein (altes) Samsung oder LG Smartphone hat, oder eine neueres Xiaomi, hat die Möglichkeit, internen Sound aufzunehmen. Damit hab ich schon zig Hörbücher aufgenommen. Vorteil: man kann sie (als MP3) auf jedem Gerät problemlos abspielen und ist nicht auf die Apps der Plattformen angewiesen.

Zwei Sachen find ich dann zum Hörbuchhören essentiell:

  1. dass die Abspiel-App sich die Position merkt, bei der man zuletzt aufgehört hat
  2. dass es einen einstellbaren Einschlaftimer gibt

Für Android gibt es zwei Apps, mit denen ich Erfahrungen habe und die ich empfehlen kann: Mortplayer Audio Books (gratis) und Listen Audiobook Player (2,09€).

Der Mortplayer ist prima, wenn auch nicht so schön wie Listen, und etwas komlizierter. Und Listen hat ein Feature, das ich nicht mehr missen will: wenn der Einschlaftimer zum Ende kommt, dann blendet er den Ton langsam aus und es gibt ein paar dezente Warntöne. Wenn man da noch wach ist und weiterhören möchte, genügt es, das Smartphone kurz zu schütteln, und das Buch läuft weiter, und der Einschlaftimer geht von vorne los.
Bei beiden Apps kann man kurz oder länger vor- und zurückspringen. Das ist bei beiden einstellbar, ich finde 20sec und 1min praktisch. Das ist ein bisschen wie das Zurückblättern im Buch.
Bei beiden Apps kann man beliebig viel Lesezeichen setzen, bei Listen kann man die sogar auf ein anderes Gerät mit umziehen.
Bei Listen kann man sogar Clips aus dem Hörbuch extrahieren, für Stellen, die einem besonders wichtig sind.

Ich hab in meinem Hörbuch Ordner ca. 180 Hörbücher gespeichert, und die App weiß bei jedem, an welcher Stelle ich zuletzt war.

Bei Apple ist ja alles ein bisschen anders, deshalb hab ich nur mal die App BookPlayer  für eigene MP3-Hörbücher ausprobiert. Die bringt die rudimentären Sachen alle mit. Ich find halt das Importieren von Inhalten mühsam. Bei Android steckt man das Handy an den Rechner und schiebt seine Dateien in die jeweiligen Ordner. Bei iOS muss man immer ein paar Schritte mehr machen, AirDrop scheint mir da der am wenigsten aufwändige Weg.

Noch ein Tipp zum Hören selbst:
Eine der besten Möglichkeiten ist es, mit einem einzigen (ja, mono) Bluetooth Ohrstöpsel zu hören. Da hat man den Ton auf der einen Seite direkt im Ohr, ohne lästige Kabel, und auf der anderen Seite kriegt man außenrum noch alles mit. Ideal beim Kochen oder Putzen. Aber auch beim Laufen.
Ich hab mir ziemlich günstige Bluetooth Earbuds für 18€ gekauft. Ich glaub noch nicht an den audiophilen Genuss via Bluetooth, deshalb keine Ausgabe von 200+€. Zum Musikhören setz ich weiterhin (noch) auf Kabel. Aber zum Hörbuchhören sind die Dinger wirklich bestens geeignet. Und da man (meine zumindest) die beiden Stöpsel mit unterschiedlichen Phones pairen kann, hat meine Frau jetzt meinen zweiten.

Alle drei zuvor erwähnten Anbieter bieten Schnuppermitgliedschaften an. Bei Audible kann man sich dabei ein Hörbuch aussuchen, das einem dann gehört. Bei den anderen kann man dafür so viel Hörbücher hören, wie man in der Schnupperzeit schafft.

Hier meine Tipps für das, was man gehört haben sollte:
Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit (die englische Version “Sapiens” wäre evtl. vorzuziehen)
Jonathan Haidt: The Righteous Mind (leider nicht auf deutsch)
Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann
Anthony Doerr: Alles Licht das wir nicht sehen (engl. All the Light We Cannot See)
John Higgs: Einstein, Freud & Sgt. Pepper

Spotify kostenlos hören

Ihr könnt folgendermaßen vorgehen (auf dem Smartphone geht’s ähnlich):

Die kostenlose Variante von Spotify hat halt ein paar kleine Nachteile, z.B. kann man Musik nicht auf seinem Gerät speichern und dann offline hören (also Achtung, eher nicht mit der Mobilfunkverbindung sondern nur im WLAN hören). Und man kriegt glaub nur die Zufallswiedergabe von Alben und Playlisten. Und man kriegt so alle 20-30 Minuten Werbung zu hören.
Dafür spart man sich halt auch die 9,99 € im Monat.