Volldampf, relaxed

Als ich über das Album “Live at the Baked Potato” von Isamu McGregor gestolpert bin, dachte ich mir ziemlich genau “Heureka!” bzw. die saarländische Version davon: “Oh leck!”

Selten hab ich so intensive Musik gehört, die dazu noch so wenig aufgeregt oder wichtigtuerisch ist. Die Jungs spielen wie die Weltmeister, und mir scheint, als würden sie das, was ich früher unter dem Label “Jazz-Rock” so gern gehört hab, auf ein neues Level heben, bzw. ins 21. Jahrhundert transformieren.

Dann hab ich irgendwann mal gesehen, dass Isamu McGregor nur knappe 200 Hörer im Monat hat. Das gibt’s doch ned!
Und das “Orkestra Eustoria”, bei dem Isamu McGregor an den Keys mitspielt, kommt nur auf 29 monatlich Hörer.
Die spinnen, die Hörer!
Oder sie haben noch nie nix von denen gehört. Wären nicht die ersten klasse Musiker, die einem größeren Publikum unbekannt bleiben.

Funk Guru kommt zur Rettung und postet zumindest hier die McGregor Live-Scheibe. Jede/r mit Interesse an Musik sollte zumindest mal reingehört haben.

Die YouTube Sachen reichen nicht an die Live-Scheibe ran, aber als Ergänzung ist der alte Herbie Hancock Titel “Actual Proof” doch auch sehenswert:

So viel Musik, so wenig Zeit …

40.000.000 Titel alleine auf Spotify (Stand März 2019). Keine Chance, da den Überblick zu behalten.

Im unüberschaubaren Meer der Hör-Möglichkeiten ist nur die Suche nach schon bekannten Titeln ein No-Brainer. Wenn man Neues entdecken will, ist man den Algorithmen von Spotify & Co ausgeliefert, die einem halt eher die großen Fische präsentieren, plus das was die anderen hören, plus mehr von dem, was man immer schon gehört hat.

Da gehen viele fantastische Künstler durch die groben Maschen dieser Rückkopplungsschleifen, wie z.B. Isamu McGregor, der trotz einer UNGLAUBLICHEN Live-CD nur auf 200 monatliche Hörer kommt.

Vergleiche dazu nur mal Miles Davis (1,8 Millionen) und Frank Zappa (850 Tausend). Beides überragende Künstler, aber das Verhältnis der monatlichen Zuhörer kann da niemals ein Hinweis auf die unterschiedliche Qualität der Musik sein.
Zudem sind die beiden tot und neues ist nicht zu erwarten.

Der Spotify-Algorithmus lässt sich, in Maßen, ganz gut trainieren. Stell dir den Algorithmus als eine Art Taschenlampe vor, die nachts in ein dunkles Meer leuchtet. Untrainiert ist der Lichtstrahl ziemlich breit, sodass man viel Oberfläche sieht. Das Trainieren entspricht einem Fokussieren des Strahls, der dann weniger Oberfläche zeigt, dafür aber tiefer reicht.

Ich finde, dass sich der Blick in die Tiefe lohnt. In der Tiefe tut sich eine so dass sich eine immer schillerndere Artenvielfalt vor einem auftut.