Persönliche Helden minus 1

Ich weiß noch genau, mit welch unbändiger Freude ich im Sommer ’78 die erste LP der Pat Metheny Group rauf und runter gehört hab. Das war nicht nur so als ob man einen neuen Stern entdeckt hätte, sondern gleich ein ganz neue Galaxie.

Der Mann, der wesentlich daran beteiligt war, mir musikalische Höhepunkte zu verschaffen, war der Keyboarder Lyle Mays, der, wie ich heut erst gelesen hab, am 10. Februar gestorben ist. 😢

Bye bye Lyle, you’ve reached the end of your world. Grüß mir den Josef Erich und den Schorschi Duke.

Hab grad nen kleinen Spaziergang gemacht, auf dem die Playlist lief. Ich kenn noch jede kleine Biegung, Wendung, jede kleine Nuance von den Sachen, obwohl ich schon ein paar Jahre nix mehr von der Pat Metheny Group gehört hab. Hat sich voll eingebrannt ins Hirn. Oder, wie Dr. Eagleman wahrscheinlich sagen würde: da haben sich stabile neuronale Strukturen gebildet.
Nicht vergessen: ab morgen gibt’s die zweite Folge von “The Brain” in der Servus Mediathek.

Nur für Hartgesottene

Allmählich wird’s Zeit für den Jahresrückblick. Die üblichen Rückblicke gehen ja schon Anfang bis Mitte Dezember über den Äther, und da frag ich mich immer, obs denn im Dezember keine berichtenswerten Highlights mehr gibt, außer brennenden Lichtlein nix gewesen …

Andererseits ist ein Jahresrückblick, der erst im Februar auftaucht, auch nicht mehr so ganz zu vertreten. Also schnell noch zum Ende des Januars raushauen …

Das ist jetzt gar nicht so einfach.
Ich leg mir ja bei Spotify jeden Monat eine neue Playliste an, in der ich dann Songs sammle, die mir positiv auffallen. Diese Playliste hör ich mir dann im Folgemonat ein paarmal durch und sortiere die guten ins Töpfchen, sprich, die jeweilige Monatsplayliste, die ich dann auch hier vorstelle.

Am Ende des Jahres, bzw. zu Beginn des neuen Jahres, hör ich mir dann nicht die gekürzten und hier vorgestellten Playlisten durch, sondern die langen, und packe die dann in die Jahresplayliste die Sachen rein, die mich weiterhin begleiten sollen. Mir quasi ans Ohr gewachsen sind.

Beim ersten Auswählen spiel ich die Sachen natürlich nur an, aber wenn dann die erste Version der Playliste steht, hör ich sie schon etwas genauer durch. Beim Kochen, beim Putzen, in der Badewanne, im Auto, zu Fuß, beim Einschlafen und beim Aufwachen …

Nur so als Hausnummer: die erste Version war über 32 Stunden lang bei über 350 Songs.

Mittlerweile ist die Jahres-Rückblicks-Playlist von 2019 in der Best-of Version “nur noch” knapp 22 Stunden lang und knapp 250 Songs schwer. Beim intensiven Hören über die letzte Woche (per Zufallswiedergabe) sind mir keine Titel mehr aufgefallen, auf die ich verzichten möchte. Könnte mir aber durchaus vorstellen, dass der eine oder andere Titel noch fliegt.

WER WILL DAS HÖREN????

Nun, zuallererst mal ich.
Hier mal ne halbe Stunde zum Genießen, dort mal ne Stunde beim Kochen. Und wenn ich ins Allgäu fahre, mal vier Stunden ungestört und am Stück im Auto.

Würde mich freuen, wenn ihr auch ab und zu mal reinhören würdet. Zufallswiedergabe nicht vergessen. Und den Skip-Button rigoros benutzen, wenn euch der Titel nicht gefällt.
Bei 22 Stunden Musik könnte ja schon das eine oder andere dabei, das euch gefällt.

Holy Shit!

Seit ich mit neulich mal ein Drumeo-Video von Anika Nilles angeschaut hatte, krieg ich vermehrt Vorschläge mit Schlagzeug-Inhalten. Als Nichtschlagzeuger bzw. als Nichtmusiker guck ich da nur vage hin, außer Überschrift und Bildvorschau des Videos üben eine gewisse Anziehungskraft aus.

“Creating Modern Grooves” als Titel, plus das Bild eines sehr jungen Drummers mit offensichtlich subkontinentalen Genen, stoßen mein Interesse dann doch so an, dass ich reingucken muss. Raghav Mehrotra, nie gehört, aber:

Bingo!

Schon nach ein paar Sekunden ist das Staunen im roten Bereich.
15 Jahre alt, der Bursche!
Musikalisch WOW, technisch WOW, und für einen 15-Jährigen mit einem Selbstbewusstsein und einer Souveränität ausgestattet, dass es kracht. Und er hat’s durchaus auch drauf, seine Sicht der Dinge rüberzubringen.

Wenn so die Zukunft des Schlagzeugen aussieht, dann HER DAMIT!

Obwohl er noch so jung ist, hat er offensichtlich schon 600 Broadway Shows gespielt, irgendwas mit School Rock oder so, wenn ich das richtig verstanden habe. Es gibt bei YouTube zwar ein paar Videos von ihm, aber eigentlich nix, was diesen Quantensprung in die oberen Schlagzeugregionen andeuten würde.

Mehr Mehrotra!

Gefunden hab ich noch das folgende, da war er 11 Jahre alt. Endlich mal ne Boyband nach meinem Geschmack, auf jeden Fall schon deutlich mehr als ne Garagenband:

Bin mal gespannt, was man von dem noch zu hören bekommt. Oft gibt’s ja bei Wunderkindern einen Karriereknick, bzw. irgendwann geht’s dann halt nimmer immer steiler voran.

Und dann kann ich’s ja nach der Entdeckung eines total überraschenden Videos auch einfach nicht lassen, weiter zu klicken, in der Erwartung, was ähnlich Spannendes zu finden.
Nicht ganz so überraschend, mit 30 doppelt so alt, groovy wie Sau: Taylor Gordon.

Jetzt muss ich mich noch schnell als total rückständig zu outen: seit wann gibt’s ihn denn, den Trend zur Zweit-Snare? Da beide eine benutzen, hab ich wohl was nicht mitgekriegt.

The Friendly Guy

Er hat sie alle gehabt: Pink!, Lady Gaga, J.Lo., Mariah Carey, Adele.

Aber auch Elton John, George Michael, Bruno Mars und Michael Bublé.

Mit George Michael und dem Red Nose Day ging’s 2011 los, und das daraus entstandene Konzept ist sowohl einfach wie absolut genial: Man lade beliebte Prominente zu einer Autofahrt mit einem freundlichen, beleibten Mann ein, unterhalte sich und singe zwischendrin lauthals Lieder (des Gastes???).

Der Brite James Cordon hat mit seinem Format “Carpool Karaoke” stellenweise fantastische Momente geschaffen, die natürlich nicht in erster Linie musikalisch interessant sind, sondern die aufgrund des beengten Raumes eine Intimität erzeugen, die in den besten Momenten die Menschen hinter den Prominenten-Fassaden zum Vorschein bringen.

Meine Lieblingsepisode ist die mit Paul McCartney. Absolut bezaubernd. Auch wenn einige Szenen ein bisschen nach scripted reality riechen.
Natürlich ist das alles in Englisch, aber auch mit Schulenglisch kommt man schon ganz schön weit. Es kommt ja auch auf die transportierte Stimmung an.

Übrigens: man kann sich bei YouTube ja auch Untertitel einblenden lassen. Mit dem fünften Symbol von rechts, in der Kontrolleiste unter dem Video, könnt ihr die Untertitel einblenden. Mit dem Symbol rechts daneben könnt ihr die Video-Einstellungen aufrufen und dort gibt es den Punkt “Untertitel”. Manchmal kann man sich die Sprache aussuchen, manchmal kann man nur “automatisch übersetzen” wählen, was dann Googles Übersetzer macht, mit den üblichen Einschränkungen. Probiert ruhig mal “Englisch” bei Paul McCartney oder “Englisch (automatisch erzeugt)” bei Michelle Obama. Bei Stevie Wonder gibt’s dann auch eine deutsche UT-Spur.

Die Folge mit Michelle Obama kommt dann für mich gleich dahinter auf Platz 2. Was für Zeiten das noch waren im Weißen Haus. Coolste First Lady ever. Ever!!!!!

Und Stevie Wonder ist ja eh außer Konkurrenz. Cool, wie er für Cordons Frau am Telefon “I just called to say James loves you” singt.

Am Schlawittich gepackt

… nämlich die Gelegenheit. Man könnte sie auch am Schopfe packen, aber biddeschön wo simmer denn?

Dank eines relativ frischen Videos (das allerdings aussieht als käme es aus den Anfängen des Jahrhunderts) wird es mir gelingen, zwei Musiker, die mir am Herzen liegen, in einem Beitrag vorzustellen: Charlie Hunter und Cory Wong.

Cory Wongs neues Album “Motivational Music for the Syncopated Soul” gefällt mir jetzt nicht soooo gut, aber zwei Highlights sind stechen hervor: der unten im ersten Video zu sehende Titel Gumshü und die Nummer Companion Pass, auf der es einen eine Motivational Speech gibt, die es in sich hat. Zuerst aber das Video:

Coole Nummer, in der mir Charlie Hunter besser gefällt als Cory Wong.

ABER: die noch viel coolere Nummer, oder vielmehr eine der coolsten Nummern überhaupt! je! kommt jetzt. Charlie Hunters “Who Put You Behind The Wheel”. Der Titel ist Programm, und so kommt man sich stellenweise so vor, als wäre man Beifahrer bei jemandem, der keine richtige Orientierung hat. Doch Vorsicht: alles ist genau kalkuliert, was vor allem in der Video-Version klar wird.
Für mich ganz ganz große Kunst. Enjoy!

Um nach so viel großer Kunst wieder auf den Boden zu kommen, hier noch was Trivialeres, auch mit Cory Wong, aber von Cody Fry. Klasse fröhliche Nummer. Und ich entschuldige mich nachträglich bei allen Popper-Schnöseln aus meiner Jugendzeit, bei denen ich ganz automatisch davon ausgegangen bin dass sie nix drauf hätten. Cory Fry hat’s drauf!

Und dann noch die Nummer Companion Pass von Cory Wong, die es leider mit der Motivationsansprache nicht bei YouTube gibt, deshalb hier der Spotify Link.
Tja, Motivationsansprache … Hab einmal bei YouTube so ein Video gesehen, wo einer nen ganzen Saal dazu gebracht hat, auf die Stühle zu steigen und quasi zu schreien, dass man ab morgen ein besserer Mensch wird. Das war ganz schön ekelhaft. Auch bei der Nummer von Cory Wong schafft sich der Redner total aus dem Geschirr und nennt seine PayPal Einzahlungsadresse. Deshalb bin ich mir nicht sicher, dass das Ernst gemeint ist. Oder doch?
Zumindest ein Teil der Ansprache spricht mich an:

It’s time to discover who you are as a person
It’s time to step out of those shadows and become your own person
This  is the time in your life where you need not discover who someone else is within you, but who you are within you

‘Cause  you’re never gonna be as good as Pat Metheny, as Pat Metheny is at being Pat Metheny, You’re only gonna be the best at being you! And nobody in the world is gonna be as good as you at being you. Nobody in the history of mankind — past, present or future — will be as good as you at being you!

Dengel dengel buff zack

Eigentlich sollte es nicht verwundern, wenn Zildjian, Platzhirsch was Becken angeht, weiß, wie man ein Schlagzeug ordentlich ab/aufnimmt. Wie gut das dann aber tatsächlich klingt hat mich dann doch überrascht. Hier darf man ruhig mal die guten Kopfhörer rausholen und einfach in der Soundqualität schwelgen. Man darf nicht vergessen, dass das YouTube Videos sind, also maximal 192kbps Audio Bitrate liefern.
Audiopuristen aller Länder, die ihr seit 20 Jahren an komprimierter Musik rumnörgelt, nehmt diesen Hieb!

Mit der Zildjian Live Serie scharrt die alte Beckenschmiede ordentlich mit den Hufen. Mit Will Kennedy, Omar Hakim und Larnell Lewis (u.a.) haben sie nicht nur ein paar Giganten am Start, sondern als Musical Director haben sie auch noch Robert “Sput” Searight engagiert, den Drummer, den wir schon im Beitrag Kleine Welten I in den ersten beiden Videos kennengelernt haben. Da frag ich mich dann schon, wie issn das, darf der jetzt nicht ans Schlagzeug weil er nicht “gut genug” ist, oder geht’s da nicht um Hierarchien, sondern um’s vernetzt sein?

Genug gequatscht, here comes Will Kennedy, den die einen oder anderen noch aus seinen Andy Narell und Yellow Jackets Zeiten kennen.

Weiter mit Omar Hakim, dessen Beinamen “Mr. Hi Hat” mir noch in den Ohren klingelt. Oder lieg ich da falsch? Das Hi Hat fällt mir zumindest hier nicht wirklich auf …

Larnell Lewis ist der Hausdrummer bei Snarky Puppy, die ja oft in der ganz großen Besetzung spielen, wo ich auch schon Larnell Lewis und Sput Searight gemeinsam hab spielen sehen.

Von LL gibt’s bei Spotify eine CD, “In the Moment”, bei der sich das Reinhören durchaus lohnt. Hier nur kurz mein Lieblingstitel davon:

Hier noch ein Kommentar, den ich mir nicht verkneifen kann: Falls ihr kleine Kinder oder Enkel habt, holt sie schnell her zum Mitgucken. Dann werden sie erstens auf gute Musik geprägt, und zweitens wollen sie dann keine Barbiepuppen sondern basteln sich eine Bassisten-Stoffpuppe. Ich mein nur, wär doch ökologisch.

Katz spielt Trumpf

Oh wie wunderbar! Theo Katzman haut dem größten Arschloch des Jahrzehnts virtuell einen auf die Mütze.
Zuerst kommt der Song noch ganz unverfänglich daher, dann nimmt er mit dem Refrain “follow hunches inspite of evidence” (folge Vermutungen trotz aller Beweise) Fahrt auf, und am Schluss kriegt Donal Poponald eins in die Fresse mit den Zeilen “this whole earth is just a private resindence – and it’s all yours so you can make your mess of it – run your mouth & mix all your messages – twist the truth until you can’t make sense of it – you can’t lose if you keep on bending it – you can be president”

Sogar wenn man die Zeilen durch den Google Übersetzer jagt, der ja oft unverständliches Zeugs daraus macht, bleibt der Kern der Botschaft erhalten: “Diese ganze Erde ist nur ein privater Wohnsitz – und es liegt ganz bei Ihnen, damit Sie es in Unordnung bringen können. Führen Sie Ihren Mund und mischen Sie alle Ihre Botschaften. Verdrehen Sie die Wahrheit, bis Sie keinen Sinn mehr daraus ziehen können. Sie können nicht verlieren, wenn Sie biegen es weiter – Sie können Präsident sein

Ich denk mir immer wieder, wenn uns der Typ aus der Ferne schon so nervt, wie sehr muss er die entsprechenden Leute dort in den Wahnsinn treiben. Ein Lied wird ihm sicherlich nichts anhaben können, ist aber astreine Möglichkeit um den Rest der Welt ein bisschen mehr auf einen Nenner zu bringen.

Ich hatte übrigens auch mal so einen Fleecepulli wie der Pianist. Meine Frau fand ihn so scheußlich, dass ich ihn nicht mehr anziehe(n darf?). Tyrannen übrial!

Dass Louis Cato wieder mit dabei ist freut mich besonders, war er doch gestern schon bei dem Ausflug in die kleine Welt mit dabei, und er spielt ja auch in der Band “Stay Human”, der Hausband in Stephen Colberts Late Show, die mir immer große Erleichterung bringt, wenn Trump wieder mal was Unfassbares gemacht hat … also eigentlich jeden Tag. Wer die Late Show nicht kennt, und wessen Englischkenntnisse es zulassen, denen sei sie wärmstens ans Herz gelegt.
Zur Late Show >>>
Zu einer meiner Lieblingsepisoden >>>

Kleine Welten I

Ging mir früher schon so, dass ich beim Lesen der Besetzungslisten auf LPs und CDs immer wieder über die selben Namen gestolpert bin. Steve Gadd war auf bestimmt 90% meiner Scheiben bei mindestens einem Stück an den Drums, und sobald irgendwo geile Bläsersätze zu hören waren, dann standen Jerry Hey und Bill Reichenbach auf der Liste. Gary Grant war auch mit dabei, zum Bedauern meiner Frau aber der mit G und nicht der mit C.

Etwas Ähnliches passiert mir gerade wieder, wenn ich mich durch YouTube Videos klicke und dann die gespeicherten Highlights vergleiche. Der Dreh- und Angelpunkt der Musiker, die mir ständig über den Weg laufen, scheint die Band Snarky Puppy zu ein, die stellenweise mit gigantischer Besetzung Musik macht.

Ich fang mal an mit Shaun Martin, von dem’s ein paar schöne Studio-Live-Videos gibt wie das folgende mit fast schon GRP Feeling:

Natürlich sind Live-Studio-Sessions nicht ausschließlich live, aber schon irgendwie komisch dass man nie sieht wer hier Synthesizer spielt …

Robert ‘Sput’ Searight sitzt oben wie auch im nächsten Video an den Drums und dient als Überleitung zu Louis Cato, dem Universalmusiker, der so ziemlich alle Instrumente beherrscht, und den ich schomma live gesehen hab am Schlagzeug der Marcus Miller Band. Cato ist auch Mitglied der Band Stay Human, die Houseband von Stephen Colberts Late Show …

Keyboarder Brett Williams war sellamohls auch dabei in der Marcus Miller Band.
Bleiben wir kurz bei Louis Cato. Hier ein Beispiel seines Universaltalents:

Ich find ihn fast schon ein bissl bona-esk.
Guter Text übrigens.
Louis Cato hab ich zwar noch nie mit Snarky Puppy zusammen gesehen, aber dafür mit deren Mastermind, dem Bassisten Michael League. Was für ein geiles Schlagzeug, was für eine geile Nummer!

Michael League übigens hier nicht am Bass, sondern an der Baritonklampfe.
Zu guter Letzt hier noch ein Cover der alten George Benson Nummer “Gimme The Night”, zusammen mit den Huntertones:

Ach komm, einer geht noch: Huntertones ohne L.C.

Und noch eins. Huntertones auf den Spuren von Scary Pockets.
Und, haha, sie versuchen sich in der Visualisierung des MP3-Formats in Bezug auf den Raum …

Musste zweimal hinsehen … mit Bart hatte ich ihn noch nie gesehen: Brett Williams an den Keys.

Just Friends (in the mirror)

Wer (wie ich lange) bei “The Main Squeeze” an irgendwas Gequetschtes oder Gepresstes denkt, liegt ordentlich falsch. Nicht nur weil die Musik eher locker und ohne Quetschungen und Prellungen daherkommt, nein, auch weil “Main Squeeze” auch schlicht mit “Freund” oder “Freundin” übersetzt werden kann.

Bei Spotify gibt’s einige Alben von den Jungs, die mich allerdings nicht wirklich überzeugen, bzw, bei denen der Funke nicht zu mir überspringen will.

Ganz anders geht’s mir da bei einigen Coverversionen, die man bei YouTube finden kann.
Z.B. “Man In The Mirror”, der alten Michael Jackson Nummer, die mir schon im Original irgendwie gefallen hat, die ich mir halt einfach nie anhöre, weil angestaubt, zu oft im Radio gehört und mir die Stimme von MJ nicht zusagt, weil oft ganz schön gepresst. Ha!
Wenn The Main Squeeze die Nummer spielt, geht für mich das Licht an. Groovt wie Hölle, und jeder der Musiker setzt spielfreudemäßig noch einen drauf, so dass die Nummer für mich mehr Leben hat als das Original.
Okay, die Parts mit Kopfstimme gehen an Jacko.

Phänomenal finde ich auch die Version von “Rule The World”. Auch hier wird dem alten Song neues Leben eingehaucht, bzw. intravenös reingepumpt. So wird auf einmal so ein dünnes Pop-Süppchen wie das von Tears For Fears zu einem kräftigen Eintopf. Witzig finde ich den Synthie-Bass als Reminiszenz an den Synthiepop. Fulminantes Finale!

Deutlich älter (und etwas unreifer) ist das Cover von “Papa Was A Rolling Stone”, das als “Kellervideo” aber auch eine echt gute Energie transportiert, wie ich finde.

Ein kleiner Schlenker muss noch sein: Die “Man In The Mirror” Coverversion vom Myron McKinley Trio.
Die hätte ich bestimmt nicht vorgeschlagen bekommen, wenn sich nicht Stanley Clarke in die Credits eingeschlichen hätte …
Ich kann nicht wirklich was raushören, das ich mit Stanley Clarke verbinden würde, aber was soll’s, ist ja ne schöne Nummer. Vielleicht ein bisschen zu dick aufgetragen mit den Streichern und so.
Ich würde die Version eigentlich gar nicht erwähnen, wenn da aus dem wenigen Material, das es von Myron McKonley bei Spotify gibt, nicht eine Nummer herausragen würde, die unbedingt hörenswert ist: E-12

Nachdem ich Obiges geschrieben hatte, hab ich dann doch mal bei YouTube mach dem Myron McKinley Trio gesucht, und siehe da, beide Nummern von Oben sind auch dort zu finden. Auch hier gilt für E-12: einfach UNGLAUBLICH. Unglaublich, dass es von denen nicht mehr gibt, bzw. dass aus denen nicht mehr geworden ist bisher. Vor allem die Man In The Mirror Version scheint ja mit einigem Buhei produziert worden zu sein: da ist Tatsächlich Stanley Clarke dabei, wenn auch als Dirigent der überzuckerten Streicher, und EW&F-Heinz Verdine White darf auch mit dabei sein (damit man seinen Namen für die Suchfunktion nutzen kann?) plus sehr aufwendige Videoproduktion …
Eigentlich hätte E-12 einen eigenen Beitrag verdient!

Ein Hoch auf den Wanderbass! Klingt saugudd, und hintenraus spielt er echt geiles Zeugs … nichtsdestotrotz gefällt mir der Bass der Main Squeeze Version ein bisschen besser …

Volldampf, relaxed

Als ich über das Album “Live at the Baked Potato” von Isamu McGregor gestolpert bin, dachte ich mir ziemlich genau “Heureka!” bzw. die saarländische Version davon: “Oh leck!”

Selten hab ich so intensive Musik gehört, die dazu noch so wenig aufgeregt oder wichtigtuerisch ist. Die Jungs spielen wie die Weltmeister, und mir scheint, als würden sie das, was ich früher unter dem Label “Jazz-Rock” so gern gehört hab, auf ein neues Level heben, bzw. ins 21. Jahrhundert transformieren.

Dann hab ich irgendwann mal gesehen, dass Isamu McGregor nur knappe 200 Hörer im Monat hat. Das gibt’s doch ned!
Und das “Orkestra Eustoria”, bei dem Isamu McGregor an den Keys mitspielt, kommt nur auf 29 monatlich Hörer.
Die spinnen, die Hörer!
Oder sie haben noch nie nix von denen gehört. Wären nicht die ersten klasse Musiker, die einem größeren Publikum unbekannt bleiben.

Funk Guru kommt zur Rettung und postet zumindest hier die McGregor Live-Scheibe. Jede/r mit Interesse an Musik sollte zumindest mal reingehört haben.

Die YouTube Sachen reichen nicht an die Live-Scheibe ran, aber als Ergänzung ist der alte Herbie Hancock Titel “Actual Proof” doch auch sehenswert: