Ohr an Gehirn: Licht aus!

… oder in nur einem Wort: Kopfkinotime!

Die Auswahl an ödem Schrott ist ziemlich umfangreich (mehr als man jemals aushalten kann), aber zwischendrin kann man schon mal das eine oder andere Highlight entdecken: die Hörbuchauswahl bei Spotify.
Es gibt bessere Adressen für Hörbuchfans (Audible, Bookbeat, Scribd), aber da muss man dann halt auch einen weiteren Griff ins Portmonnaie gestatten. Bei Spotify isses für Abonnenten eine schöne kostenfreie Zugabe.

Wer sich aber freudig ins Kopfkinoabenteuer stürzen will: auweh, es gibt kein Verzeichnis, in dem man nach interessanten Sachen stöbern könnte. Über die Suchfunktion findet man sicherlich Titel und Autoren (wenn man die Namen kennt), und es gibt ein paar Listen, aber wirklich fündig wird man nicht so leicht.
Eine Abhilfe schafft die App “Spooks” für Android und iOS , die ausschließlich Spotify Hörbücher listet, und das auch noch leidlich nach Kategorien.

Zum Beispiel hab ich darüber kürzlich den neuen Roman von Matthias Brand “Blackbird” gefunden. Ich hab ihn selbst noch nicht gehört, finde es aber bemerkenswert, dass der Roman mit Erscheinungsdatum (gedruckt und als Hörbuch) auch zeitgleich bei Spotify aufgetaucht ist.
Ich mach jetzt hier keine Einbettung der Playliste des Romans (260 “Songs”, 7 Stunden Laufzeit), sondern verlinke einfach auf das Hörbuch. Unnötig zu erwähnen, dass Hörbücher nix für die NutzerInnen des kostenfreien Accounts sind, weil da ja die einzelnen Titel nach Zufallsprinzip gespielt werden.

UPDATE:

Im Moment sieht’s so aus als ob Spotify die Titel doch wieder nacheinander spielt, und nicht nach Zufallsprinzip. Somit kann man auch ohne Abo Hörbücher hören. Halt alle 15-20 Minuten durch Werbung unterbrochen. Getestet nur mit Spotify auf dem PC. Mobile Geräte – keine Ahnung …


Hier also der Link: https://open.spotify.com/album/2PJe1sLoaygsCBquIRgn76?si=pkkhPU6rTwKHLGnPo9a6Xg
Und wenn ihr schon dabei seid: den ersten Roman von Matthias Brand “Raumpatrouille” findet ihr auch auf Spotify …

Ich hör für mein Leben gern (???) Sachbücher, deshalb hier ein paar Tipps für Sachen, die sich meiner Meinung nach lohnen:

Love Is The Message

Total abgedrehte Nummer dies. Keiner der Musiker war mir vorher bekannt, und verorten konnte ich nur Rocco Palladino, muss ja wohl der Sohnemann von Pino Palladino sein – und er isses. Genauso wie Papa ein Bassist, und ich find’s ziemlich ungewöhnlich was er da spielt.
Apropos ungewöhnlich: eigentlich sind ja alle vier irgendwie speziell. Der hyperaktive Drummer, der reduzierte Keyboarder und der Gitarrist, der selbst wenn er das wildeste Zeug spielt noch gelangweilt scheint.

Total hypnotischer Sound.
Ob Drogen im Spiel sind? Oder ob die Jungs einfach nur angetörnt sind von der Tatsache, dass sie sich in den Abbey Road Studios befinden?
Keine Ahnung, egal, Love Is The Message. Und wie! Ich liebe es!!!

Falls jemand vergessen haben sollte (oder es noch nie gewusst hat), wer denn jetzt Pino Palladino ist: Stichwort Paul Young. Klingelt’s?

Der Bari Ton

Es gibt was Neues von Mike Lettieri!
Mike Lettieri ist bekannt aus dem Umfeld von Snarky Puppy, bei denen echt mal alles, was Rang und Namen hat, mitspielt bzw. mitgespielt hat.
Und er ist bekannt als Meister der Baritongitarre. Sein letztes Album ist noch gar nicht so alt (März 2019), trotzdem gab’s kürzlich auf Spotify und YouTube gleichzeitig diesen Titel hier:

Könnte auf eine neue CD hinweisen …
Wer Lust auf seine letzte Scheibe hat, kann sie sich auf seiner Website komplett anhören: https://www.marklettieri.com/deep-the-baritone-sessions
Natürlich auch auf Spotify verfügbar.
Hier mein Lieblingstitel als YouTube “Video”:

Jetzt noch ein Video mit der gleichen Besetzung wie oben, aber schon drei Jahre alt.

Zu guter Letzt jetzt noch ein Werbevideo für Supro Amps:

Music and the Brain

… heißt ein Great Course” den ich (zugegebenermaßen nur teilweise) vor ein paar Jahren gehört habe.
Bei den Great Courses gibt’s dann auch zwei Kurse von Indre Viskontas, einer Neurowissenschaftlerin, die gleichzeitig Opernsängerin ist. Spannende Sache das, vor allem wenn sie beides miteinander verbindet, wie in dem TED-Talk, den ich wärmstens empfehle, auch wenn man evtl. nicht alles verstehen kann, weil englisch.

Ebenso bei TED findet man einen Talk von Lisa Genova, die man vielleicht kennt von dem Buch oder auch dem Film “Still Alice”, in dem es um den den Kampf einer Harvard Professorin mit ihrer Alzheimerkrankheit geht. Auch Genova ist Neurowissenschaftlerin, also kann man ruhig ernst nehmen, was sie sagt.
“Use it or lose it” gilt auch für unser kognitiven Fähigkeiten …
Hat jetzt eigentlich nix mit Musik zu tun. Aber mit Neuroplastizität.
Übrigens könnt ihr bei dem Talk von Lisa Genova deutsche Untertitel einblenden. Bei Indre Viskontas geht das nur in englisch.

Von Deutschlands Edel-Langweiler Manfred Spitzer gibt’s zu dem Thema ein Hörbuch mit stellenweise vorhandenem Informationsgehalt. Relativ kurz (74 Min) und schmerzlos.

Bei seinem Titel rollt’s mir die Fußnägel auf, deshalb hier nur der Untertitel “Wie unser Gehirn Musik verarbeitet”.
Es ist komplett auf Spotify zu finden:

Empty Pockets?

Nonononono!
Was hatte ich da gesagt? Die neueren Sachen von Scary Pockets gefallen mir nicht so recht?

Hat gestimmt, stimmt aber nimmer. Schnell nachbessern!
Die letzten vier Videos kriegen wieder das Guru-Siegel mit dem Prädikat “wertvoll”.

Ein Hoch auch auf das kleine (Keller?)Studio, dem sie treu bleiben, auch wenn sie andere Locations ausprobieren.

Wo ist der Jazz-Fest-Veranstalter, der die Pockets mal nach D holt? Würde mich interessieren, ob das auch Live so funktioniert wie in den Videos. Einen großen des Charmes machen ja die ständig wechselnden Besetzungen aus. Da müssten sie ja nen ganzen Flieger chartern … was die Ticketpreise in Regionen von Helene Fischer und den Stones katapultieren würde 😉

August Playlist

Die interessantesten Titel, die mir im August über den Weg gelaufen sind, hier für euch zusammengestellt:

Ist ein bisschen lang geraten, aber ich bin auch noch nicht ganz durch. Da muss noch a bissl gestrichen werden …

Sind aber ein paar sagenhafte Stücke dabei, wie z.B. vom Wayne Wallace Latin Jazz Quintett oder von Ola Onabule (nimm dies, Mützenmann!). Manche Titel, die ich als neu für mich entdeckt habe, haben schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, wie z.B. der von Marc Johnsons Album “Bass Desires”. Aber 1986 ging einem ja noch einiges durch die Lappen … wo bidde gab’s da in der Kleinstadt solchene CDs zu kaufen?

Lachen musste ich, als ich Pete Escovedos Version des alten Luther Vandross Hits “Never Too Much” gehört hab. Funktioniert auch mit südamerikanischem Fundament!

“Na Ma Turn” von Dele Sosimi hat eigentlich einen ganz schön(en) hypnotischen Rhythmus, aber die Gesangsparts, vor allem die mit dem Chor im Hintergrund, find ich echt panne …

Corey Christiansens “Street Cred” find ich super, vor allem weil es ihm genau das bringt: die Glaubwürdigkeit der Straße. Sonst macht er ja doch öfter das, was Markus (seelig) immer als “Edelschnarch” bezeichnet hat.

Brandee Younger gefällt mir jetzt nicht zu 100%, aber endlich mal wieder was mit Harfe, wo man nicht gleich Sodbrennen von kriegt.

“Feuilles-O” von Kevin Hayes (mit Lionel Loueke) hat das Zeug dazu, in meine Top-Schnulzen aufzusteigen. Wunderbarer Gesangspart!!!

Von Rebecca Nash hab ich mal nur einen Titel in der Playlist, “Inishbofin”. Sagglzement geht’s da ab. Bestimmt zu anstrengend für manche. Allen anderen sei ihr Album “Peacful King” wärmstens ans Herz gelegt. British Jazz at it’s top!

Tucker Antell hat gerade einmal 67 monatlich Hörer, da könnt ihr ihm bestimmt eine Freude machen, wenn ihr fleißig reinhört. Übrigens spielt er auch Sax bei “Blood and Whiskey” von Redtenbacher’s Funkestra.

Und hört euch unbedingt mal “If I Ever Fall In Love” von “The Royal Krunk Jazz Orkestra” an – eine Ohrenweide! Wie immer seien einigermaßene Kopfhörer empfohlen.

That’s it, have fun!

Kopfsalat

… is the name of this band.
Der Killertitel von Lettuce, der in keiner Party-Playlist fehlen darf, ist ohne Zweifel “Do It Like You Do”, und zwar in der Fassung von der CD “Fly”.

Lettuce hat viele interessante Sachen gemacht, darunter auch das ambitionierte Miles Davis Tribute Album “Witches Brew” (von dem der untere Titel “Jean Pierre” stammt), aber so richtig springt der Funke bei den meisten Sachen nicht auf mich über.
Jean Pierre find ich ziemlich ansprechend, weil sie’s eher in dem behäbigen Tempo spielen wie seinerzeit Miles Davis, und nicht so aufgedreht wie Marcus Miller, der den Titel ja für Miles Davis geschrieben hatte. Aber da gehen die Geschmäcker ja eh auseinander.

Die Sachen, die man bei YouTube findet, haben teils eine bestechende Dynamik. Live halt. Es gibt mehrere ganze Konzerte bei YouTube, die ich selber aber auch noch nicht gesehen hab – guggstdu

Hier mal zwei Videos, die jede Party beleben.

Und der Vollständigkeit halber (und für die, die Spotify nicht nutzen) hier noch die Live-Version von “Do It Like You Do”:

Unheimliche Taschen (plus)

Die Rede ist natürlich von den Scary Pockets.
Im Frühjahr 2018 wurde mir auf Spotify der Titel “Larry Pockets” vorgeschlagen. Was soll ich sagen, habe sofort 100 Punkte auf der 100 Punkte Skala vergeben. Larry Goldings als Keyboarder/Orgler hat mir gefallen seit ich ihn auf der CD Mo’ Roots von Maceo Parker gehört habe. Muss Anfang der 90er gewesen sein.
Und hier also mit einer Band namens Scary Pockets zusammen, auch namens-mäßig.

Supercool und funky.
Auf YouTube gibt’s mittlerweile 130 Videos, viele davon find ich schlicht und einfach saugudd. Jeden Montag kommt ein neues dazu. Witzige und respektlose Versionen von mehr oder weniger bekannten Hits.

Sagenhaft!

Keyboarder und Gitarrist bleiben immer die gleichen, alles andere wechselt ständig. Und immer gute Leute dabei.
Eine meiner Lieblingssängerinnen bei Scary Pockets ist obige Rett Madison.
Eine weitere kommt hier: Rozzi. Phänomenale Stimme. Phänomenales Timbre. Phänomenales Timing.

Leider find ich die neueren Sachen von Scary Pockets nicht so ansprechend.
Deshalb hier noch ein Titel von Rozzi herself (tja, was man halt so findet, wenn man in eine unheimliche Tasche rein greift)

Man beachte die beiden Typen, wie sie ab 3:20 tanzen …

Volldampf, relaxed

Als ich über das Album “Live at the Baked Potato” von Isamu McGregor gestolpert bin, dachte ich mir ziemlich genau “Heureka!” bzw. die saarländische Version davon: “Oh leck!”

Selten hab ich so intensive Musik gehört, die dazu noch so wenig aufgeregt oder wichtigtuerisch ist. Die Jungs spielen wie die Weltmeister, und mir scheint, als würden sie das, was ich früher unter dem Label “Jazz-Rock” so gern gehört hab, auf ein neues Level heben, bzw. ins 21. Jahrhundert transformieren.

Dann hab ich irgendwann mal gesehen, dass Isamu McGregor nur knappe 200 Hörer im Monat hat. Das gibt’s doch ned!
Und das “Orkestra Eustoria”, bei dem Isamu McGregor an den Keys mitspielt, kommt nur auf 29 monatlich Hörer.
Die spinnen, die Hörer!
Oder sie haben noch nie nix von denen gehört. Wären nicht die ersten klasse Musiker, die einem größeren Publikum unbekannt bleiben.

Funk Guru kommt zur Rettung und postet zumindest hier die McGregor Live-Scheibe. Jede/r mit Interesse an Musik sollte zumindest mal reingehört haben.

Die YouTube Sachen reichen nicht an die Live-Scheibe ran, aber als Ergänzung ist der alte Herbie Hancock Titel “Actual Proof” doch auch sehenswert:

YouTube Video einbinden

Ganz einfache Geschichte dies:
Falls jemand selbst ein Video hier teilen oder einbinden will, dann geht das über die Kommentarfunktion am Ende von jedem Beitrag.

So viel Musik, so wenig Zeit …

40.000.000 Titel alleine auf Spotify (Stand März 2019). Keine Chance, da den Überblick zu behalten.

Im unüberschaubaren Meer der Hör-Möglichkeiten ist nur die Suche nach schon bekannten Titeln ein No-Brainer. Wenn man Neues entdecken will, ist man den Algorithmen von Spotify & Co ausgeliefert, die einem halt eher die großen Fische präsentieren, plus das was die anderen hören, plus mehr von dem, was man immer schon gehört hat.

Da gehen viele fantastische Künstler durch die groben Maschen dieser Rückkopplungsschleifen, wie z.B. Isamu McGregor, der trotz einer UNGLAUBLICHEN Live-CD nur auf 200 monatliche Hörer kommt.

Vergleiche dazu nur mal Miles Davis (1,8 Millionen) und Frank Zappa (850 Tausend). Beides überragende Künstler, aber das Verhältnis der monatlichen Zuhörer kann da niemals ein Hinweis auf die unterschiedliche Qualität der Musik sein.
Zudem sind die beiden tot und neues ist nicht zu erwarten.

Der Spotify-Algorithmus lässt sich, in Maßen, ganz gut trainieren. Stell dir den Algorithmus als eine Art Taschenlampe vor, die nachts in ein dunkles Meer leuchtet. Untrainiert ist der Lichtstrahl ziemlich breit, sodass man viel Oberfläche sieht. Das Trainieren entspricht einem Fokussieren des Strahls, der dann weniger Oberfläche zeigt, dafür aber tiefer reicht.

Ich finde, dass sich der Blick in die Tiefe lohnt. In der Tiefe tut sich eine so dass sich eine immer schillerndere Artenvielfalt vor einem auftut.